ulixes Update



22 Nov 2016

Bitte eine App

Wie man mit der Steuerung von Maschinen und Anlagen Geld verdient


Inasoft.jpg „Ich will Deine Kleider, Deine Stiefel und Dein Motorrad.“ Es ist kein guter Moment, wenn einem ein Roboter gegenübersteht und so etwas sagt. Schon gar nicht, wenn der Roboter unbekleidet in einer mit Rockern gefüllten Billard-Bar steht. Die Szene: Terminator 2. Arnold Schwarzenegger erscheint. Die Anpassung der Kommunikations-Steuerung hätte anmutender ausfallen können. Die Korrektur einer solchen Funktion wäre aus heutiger Sicht kein Problem mehr. Denn die Steuerung von industriellen Roboter-Anlagen erlebt gerade eine Revolution. Der Trend: deutlich einfacher, wesentlich schneller und viel übersichtlicher. Das Zauberwort lautet: App-Programmierung. Mehr Effizienz, höhere Effektivität, größtmögliche Transparenz und niedrigere Kosten bedeutet das für die Anlagenbetreiber. Aber wer kann so etwas umsetzen? Spezialisten dafür sitzen zum Beispiel in Lyssach in der Schweiz, knapp 30 Kilometer nordöstlich von Bern: die Firma inasoft.

inasoft – das sind Experten für Softwaredienstleistungen und Profis im Bereich Steuerungstechnik und Robotik. Der ULIXES-Partner ist seit 2011 spezialisiert auf Projekte für Maschinen- und Anlagebauer mit einer hohen Kompetenz bei der Datenbankanbindung von Industriesystemen. inasoft-Geschäftsführer Ruedi Gloor: „Wer heute im Maschinenbau Anlagen und Roboter steuert, muss sich mit App-Anwendungen befassen. Die Anwendungen werden damit benutzerfreundlich, Arbeitsschritte und Funktionen lassen sich problemlos verändern oder erweitern und sie sparen an vielen Stellen Geld.“

Noch ganz dicht?
Die Idee dahinter: Auf einer Oberfläche wie beim Smartphone werden Robotern zum Beispiel mit Hilfe von Apps bestimmte Funktionen zugeordnet und als individuelles Paket zusammengestellt. Konkretes Beispiel: Das Sortieren und Verpacken von Produkten in Kunststoff-Trays: Über ein Band werden die Verpackungen zugeführt, über ein zweites Band die Produkte, Würstchen etwa, Kunststoff- oder Metall-Teile, die in kleine Kunststoff-Trays korrekt eingelegt werden müssen. Eine vorgeschaltete Kamera prüft Verpackung und Produkte optisch, markiert fehlerhafte Teile und teilt der Steuerungssoftware die genaue Lage von Produkt und Verpackung mit. Der Roboter erhält den Befehl, das Produkt per Sauggreifer zu fassen, es in die richtige Position zu drehen und korrekt einzulegen. Danach werden die Trays luftdicht verschweißt, um schließlich von einem weiteren Roboter angehoben zu werden, der per Ansaugdruck prüft, ob die Verpackung tatsächlich luftdicht verschweißt wurde. Prüfung bestanden? Dann wandert der Tray in einen großen Karton. Falls nicht, landet der Tray im Ausschuss-Behälter.

Per Drag and Drop zu voller Flexibilität
Per App-Steuerung ist die Einrichtung solcher Funktionen mit einem einfachen Drag and Drop möglich: Im App-Shop die richtige App auswählen (z.B. Kamera-Prüfung, Produkt Einlegen oder Vakuum-Check) und auf dem Touchscreen auf die Steuerungs-Seite ziehen. Jetzt müssen noch die Produkt-Parameter eingegeben werden – fertig. Anderes Produkt mit zusätzlicher Kontrolle? Kein Problem. App auswählen, an der richtigen Stelle platzieren, Drag and Drop, Daten eingeben, fertig. Ruedi Gloor: „Ein wesentlicher Vorteil ist, dass sich jetzt auch alle Daten einer Anlage verarbeiten und auswerten lassen. Wir haben dafür eine eigene App entwickelt: SQL4Automation. Diese App verbindet SPS und Robotersteuerungen komfortabel und einfach mit SQL-Datenbanken. Damit sehen wir zum Beispiel, welche Roboter-Module wie stark ausgelastet sind. Das hilft, um Prozesse zu optimieren. Wir können aber auch Chargen vergleichen, Tages- und Wochenkurven erstellen und Ausschussmengen analysieren. Etwa an welcher Station der Ausschuss festgestellt wird. Liegt das Problem auf der Produkt- oder auf der Verpackungsseite? Ist es bereits optisch erkennbar? Oder erst durch den Vakuum-Check? So erhöhen wir die Produktqualität und steigern die Anlagen-Auslastung.“ Wer mehr will, kann auf über 100 andere Apps im Store zugreifen. Und für Erweiterungen oder neue Ideen und Funktionen von inasoft eigene Apps erstellen lassen und diese auch anderen im App Store gegen Entgelt zur Verfügung stellen.

In Terminator 2 weist der Rocker darauf hin, dass der Programmierer am Ende noch eine Prozess-Bestätigungs-App hätte integrieren sollen: Als sich der nackte Terminator vor dem Rocker aufbaut und dessen Kleidung fordert, antwortet dieser grinsend: „Du hast vergessen, ‚Bitte‘ zu sagen.“